{"id":551,"date":"2023-06-13T15:19:05","date_gmt":"2023-06-13T13:19:05","guid":{"rendered":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/?page_id=551"},"modified":"2023-06-13T15:50:04","modified_gmt":"2023-06-13T13:50:04","slug":"texte-2-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/texte-2-2\/","title":{"rendered":"Texte 2"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:10px\">Lydia Eder_Evelyn Schertle_Reflex des Pfauenauges\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 9.594 Zeichen (mit Leerzeichen)                                                                                                                             <\/p>\n\n\n<p><strong>Von der Erscheinung der Dinge: zwischen \u00e4u\u00dferer Form und innerer Wahrnehmung<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcber das Verh\u00e4ltnis von Kunst und Natur im Schaffen von Evelyn Schertle am Beispiel des Zyklus <em>Reflex des Pfauenauges<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Faszination Pfauenauge: \u00dcberlegungen im kulturhistorischen Kontext<\/strong><\/p>\n<p>In den verschiedensten Spektralfarben schillern die sich der Ver\u00e4nderung des nat\u00fcrlichen Lichts anpassenden Reflexe des ornamental anmutenden Auges an der Spitze der Pfauenfeder. Deren irisierende Farben faszinieren und sie stimulieren die optische Wahrnehmung des Menschen. Schon in der Antike ist der Pfau dank seines auffallend bunten wie prachtvoll dekorativen Federkleides ein Sinnbild f\u00fcr Sch\u00f6nheit und Eleganz. So tritt er beispielsweise in der griechischen Mythologie als tierischer Begleiter von Hera, der Gattin des G\u00f6ttervaters Zeus, auf. Der Legende nach soll Hera, von Eifersucht getrieben, die hundert Augen des Riesen Argos, den sie beauftragt, den ihr untreu gewordenen Ehemann zu bewachen, nach dessen gewaltvollen Tod auf die Federn des Pfaus gesetzt haben. Der Pfau wird an Heras Seite zum Inbegriff von St\u00e4rke, aber in Verbindung mit seiner au\u00dfergew\u00f6hnlichen Sch\u00f6nheit auch von Eitelkeit. In der r\u00f6mischen Mythologie wird Heras Pendant Juno ebenfalls in Begleitung eines Pfaus dargestellt. Im fr\u00fchen Christentum verk\u00f6rpert der Vogel die Hoffnung auf die Auferstehung und ein ewiges Leben nach dem Tod. Doch nicht nur im Kontext der europ\u00e4isch-westlichen Mythologie sowie der Religion wird das prachtvoll und bunt gefiederte Tier zum Symbol. Im alten persischen K\u00f6nigreich und am Hof der Moguln in Indien ist der Pfau sogar namensgebend f\u00fcr den Herrscherthron, der mit reicher Edelsteinverzierung an die leuchtenden Reflexe der Pfauenfeder erinnert. Doch worin liegt die Anziehungskraft des Pfauenauges begr\u00fcndet? Weshalb \u00fcbt es gerade auf K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler einen besonderen Reiz aus? Die Antwort liegt wohl in dem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Farbenspiel der schillernden Pfauenfeder, f\u00fcr das nicht Pigmente, sondern mikroskopisch kleine, an der Oberfl\u00e4che der Feder befindliche kristallartige Kammern, die auf Lichtreflexe reagieren, verantwortlich sind. Es ist ein optischer Vorgang, der das Auge stimuliert und sowohl naturwissenschaftlich erkl\u00e4rbar als auch durch die menschliche Sinneswahrnehmung erfahrbar ist, f\u00fcr den Verstand aber kaum greifbar scheint. \u00dcbrig bleibt f\u00fcr den Betrachtenden nur das beeindruckende Schauspiel einer schillernden Farbenvielfalt \u2013 eine Sch\u00f6nheit, die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler seit jeher begeistert.<\/p>\n<p><strong>Amorphe Figuren und zarte Linien: Zu Evelyn Schertles Zyklus <em>Reflex des Pfauenauges<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Dieser bereits kulturhistorisch angelegten Faszination rund um das Pfauenauge erliegt auch Evelyn Schertle. Sie tauft eine 2022 entstandene 65-teilige Serie von Handzeichnungen auf Papier <em>Reflex des Pfauenauges<\/em> und versucht in diesem Werkzyklus mit zartem Strich den Zauber des Ph\u00e4nomens Pfauenauge einzufangen. Jedes einzelne Blatt der Serie gestaltet Schertle in einem eigens definierten Farbkosmos: Blau, Gr\u00fcn, Rot oder Violett dominieren abwechselnd, variieren in kompositorischer Gewichtung und tonaler Abstufung und werden in unterschiedlichsten Kombinationen zusammengestellt. Zarte Linien verdichten sich von der Bildmitte ausgehend zu abstrakten Strichkompositionen. Der frei und unbearbeitet belassene wei\u00dfe Untergrund des Papiers bildet einen direkten und unmittelbaren Kontrast zur intensiven Farbigkeit des linearen Gef\u00fcges. Durch die wei\u00dfe Fl\u00e4che gewinnt die Farbe zus\u00e4tzlich an Ausdruckskraft. Das Auge des Betrachtenden meint in den fast tanzenden, wellenartigen Bewegungen der Striche scheinbar von Raum und Zeit losgel\u00f6ste, in einem Vakuum schwebende amorphe Figuren zu erkennen. Mit der Leichtigkeit von zarten Federn flie\u00dfen die Linien, die die durch den k\u00fcnstlerischen Impuls geleiteten Handbewegungen der K\u00fcnstlerin nachzeichnen, in eine harmonische Gesamtkomposition zusammen.<\/p>\n<p><strong>Unter die Lupe genommen: Mikrobiologische Betrachtungen in Analogie zu Schertles Handzeichnungen<\/strong><\/p>\n<p>In der Abfolge der einzelnen Bl\u00e4tter wird der Bezug zum titelgebenden Reflex des Pfauenauges besonders deutlich: Schertle lotet in jedem einzelnen Blatt die Diversit\u00e4t des Spektrums eines Farbtones aus, ihre Zeichnungen spiegeln den aufgrund wandelnder Lichtverh\u00e4ltnisse sich stets ver\u00e4ndernden optischen Reflex des Pfauenauges wider, der in einem die gesamte Bandbreite des Farbprismas abdeckenden koloristischen Variantenreichtum leuchtend schillert. Mikroskopisch genau betrachtet setzt sich der ornamentale Teil an der obersten Spitze der Pfauenfeder aus vielen feinen Einzelh\u00e4rchen zusammen, die Schertle in ihren Zeichnungen durch ihre grazile Strichf\u00fchrung auff\u00e4ngt und die wiederum einer Ver\u00e4stelung in unterschiedlichste, in sich geschlossene Farbeinheiten folgen. Analog dem physikalischen Prinzip der Brechung von Licht leuchten sie in allen Farben des Regenbogens. Diesen naturwissenschaftlichen Aspekt \u00fcbersetzt Schertle in ihrer Zeichnungsserie virtuos in ihre eigene k\u00fcnstlerische Sprache. <br>Zugleich suggeriert der Titel der Serie noch eine weitere M\u00f6glichkeit naturwissenschaftlicher Assoziation: Der Begriff <em>Pfauenauge<\/em> stellt nicht nur einen Bezug zur Vogelart, sondern auch zu einer ganz anderen Tierart her, der bekannten Schmetterlingsgattung mit ebenjenem Namen. Bei dieser wird grunds\u00e4tzlich zwischen Tag- und Nachtpfauenauge mit jeweils einzelnen Unterarten unterschieden. In erster Linie ist das Pfauenauge jedoch ein der Familie der <em>Nymphalidae,<\/em> der Edelfalter, zugerechneter, in Mitteleuropa und Teilen Asiens verbreiteter Schmetterling. Dieser erinnert mit seinen leuchtend rot gef\u00e4rbten und von vier bunten, dem Auge der Pfauenfeder \u00e4hnelnden Punkten gezierten Fl\u00fcgeln an die Farbenwelt der Handzeichnungen Schertles. Unter dem Mikroskop betrachtet l\u00f6sen sich die Fl\u00fcgel des Schmetterlings \u2013 vergleichbar mit der Betrachtung des in diverse Einzelelemente aufgespalteten Auges der Pfauenfeder \u2013 in viele kleine, in bunten Farben schillernde Schuppen auf. Schertles Verbundenheit mit ebensolchen Erscheinungsformen der Natur materialisiert sich in ihren Zeichnungen anhand einer sehr pers\u00f6nlich gef\u00e4rbten k\u00fcnstlerischen Form.<\/p>\n<p><strong>Zwischen Au\u00dfen und Innen: Ein naturphilosophischer Ansatz<\/strong><\/p>\n<p>Schertle fokussiert bei der Arbeit am <em>Pfauenauge<\/em>-Zyklus auf den ihr Schaffen immer wieder durchziehenden starken Konnex zur Natur und ihren \u00e4u\u00dferen Erscheinungsformen sowie auf ein naturwissenschaftlich wie -philosophisch begr\u00fcndetes Interesse an den kleinsten mikrobiologischen Strukturen, die die unterschiedlichsten Lebensformen im Innersten zusammenhalten. Schon seit ihren Anf\u00e4ngen als K\u00fcnstlerin war Schertle darauf bedacht, ihre Verbindung zur Natur nicht nur in ihre Kunst einflie\u00dfen zu lassen, sondern sie zu einer treibenden Kraft ihres kreativen Sch\u00f6pfens zu machen. Allem voran gelingt ihr dies in ihren das intuitive k\u00fcnstlerische Moment besonders stark betonenden Handzeichnungen, die durch die zutiefst pers\u00f6nliche Wahrnehmung beziehungsweise das subjektive Empfindungsverm\u00f6gen der K\u00fcnstlerin gepr\u00e4gt und bestimmt sind. Schertle bringt das folgenderma\u00dfen auf den Punkt: \u201e<em>Die k\u00fcnstlerische Intention meines kompletten Werkes gr\u00fcndet gr\u00f6\u00dftenteils auf emotionaler, sensueller Befindlichkeit meiner Wahrnehmung und der starken Empfindung und Ergriffenheit f\u00fcr die Gef\u00fchlsinhalte der Natur, mit der wir in Verbindung stehen.\u201c<\/em> F\u00fcr Schertle bildet die Grundidee den Ausgangspunkt ihrer Arbeit, die sich durch den Akt des Zeichnens oder Malens ver\u00e4ndert, entwickelt und aus der auf ganz nat\u00fcrliche Weise, mehr durch k\u00fcnstlerischen Impuls als durch Zufall, Neues erw\u00e4chst. Im Sinne Platons geht es nicht um die Nachahmung der scheinbar \u00e4u\u00dferen Erscheinungsformen der Natur, nicht um die Mimesis, sondern vielmehr um die Wiedergabe der Idee, die Darstellung dessen, was uns a priori bereits bekannt ist. Dieser Ansatz l\u00e4sst sich auch auf Schertles <em>Pfauenauge<\/em>-Zyklus umlegen. Es geht nicht um Naturnachahmung im herk\u00f6mmlichen Sinn, sondern um den Ausdruck der subjektiven Wahrnehmung der K\u00fcnstlerin, um den Ausdruck eines Gedankens, der sich ausgehend von einer Idee zu etwas Eigenem, subjektiv Empfundenem weiterentwickelt. So sagt Schertle selbst: \u201e<em>Meine Arbeiten sind ein Zusammenflie\u00dfen meiner Wahrnehmungen, etwas Mondiales<\/em>.\u201c Das Interesse an einem naturwissenschaftlichen Aspekt, an der \u00e4u\u00dferen Erscheinung der Dinge, legt die Basis f\u00fcr die k\u00fcnstlerisch frei interpretierten Umsetzungen eines Themas, die von der Auseinandersetzung der K\u00fcnstlerin mit ihren innersten, intuitiven Eindr\u00fccken getragen sind. <br>Auch die <em>Pfauenauge<\/em>-Zeichnungen basieren auf dieser wesentlichen S\u00e4ule der Kunst Schertles. Die Grundstruktur der Komposition der Zeichnungen l\u00e4sst an den Aufbau einer aus vielen kleinen, feinen Einzelelementen zusammengesetzten Feder denken. Die grazile Linienf\u00fchrung spiegelt die Eleganz und Feinheit dieser zarten Federn wider, aus denen sich das gro\u00dfe Gesamtbild ergibt. Die Intensit\u00e4t der Farben, die Schertle in ihren Handzeichnungen einsetzt, ruft die leuchtend-schillernde Erscheinung des Pfauenauges in Erinnerung. Ausgehend von einer Grundstruktur \u2013 einer Idee \u2013 entfaltet sich auf dem Blatt also auch bei den Arbeiten des <em>Pfauenauge<\/em>-Zyklus ein abstraktes Liniengebilde, das eine vom ersten Ausgangspunkt unabh\u00e4ngige Eigendynamik entwickelt. In diesem Zusammenhang geht es Schertle in ihrer Kunst auch darum, die unmittelbare und urspr\u00fcngliche Verbindung von Mensch und Natur zu zeigen. \u201e<em>Nach meinem Daf\u00fcrhalten sind Mensch und Natur eine Synthese<\/em>\u201c, so die K\u00fcnstlerin. In dieser Synthese liegt auch die Wurzel der Serie <em>Reflex des Pfauenauges,<\/em> die Schertles virtuoses Verm\u00f6gen, eine Symbiose von menschlicher Empfindung und \u00e4u\u00dferer Erscheinungsform der Natur mit einzigartiger k\u00fcnstlerischer Ausdruckskraft auf das Papier zu bringen, musterg\u00fcltig repr\u00e4sentiert.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lydia Eder_Evelyn Schertle_Reflex des Pfauenauges\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 9.594 Zeichen (mit Leerzeichen) Von der Erscheinung der Dinge: zwischen \u00e4u\u00dferer Form und innerer Wahrnehmung \u00dcber das Verh\u00e4ltnis von Kunst und Natur im Schaffen von Evelyn Schertle am Beispiel des Zyklus Reflex des Pfauenauges &nbsp; Faszination Pfauenauge: \u00dcberlegungen im kulturhistorischen Kontext In den verschiedensten Spektralfarben schillern die sich der Ver\u00e4nderung&hellip;&nbsp;<a href=\"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/texte-2-2\/\" class=\"\" rel=\"bookmark\">Weiterlesen &raquo;<span class=\"screen-reader-text\">Texte 2<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"neve_meta_sidebar":"full-width","neve_meta_container":"","neve_meta_enable_content_width":"on","neve_meta_content_width":59,"neve_meta_title_alignment":"right","neve_meta_author_avatar":"","neve_post_elements_order":"","neve_meta_disable_header":"off","neve_meta_disable_footer":"","neve_meta_disable_title":"on","ngg_post_thumbnail":0},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/551"}],"collection":[{"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=551"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/551\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":559,"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/551\/revisions\/559"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=551"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}