{"id":619,"date":"2024-06-21T10:48:23","date_gmt":"2024-06-21T08:48:23","guid":{"rendered":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/?page_id=619"},"modified":"2024-06-21T11:00:48","modified_gmt":"2024-06-21T09:00:48","slug":"texte-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/texte-3\/","title":{"rendered":"Texte 3"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:10px\">Lydia Eder_Evelyn Schertle_Reflex des Pfauenauges&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 9.594 Zeichen (mit Leerzeichen)                                                                                                                             <\/p>\n\n\n<p>Jutta Meyer zu Riemsloh<br>Werden &#8211; Sein &#8211; Vergehen<br>Zu den Skulpturen nach Zeichnungen des Zyklus&nbsp; \u201eSamen&#8220;<\/p>\n<p>Das CEuvre Evelin Schertles offenbart eine unaufl\u00f6sliche Symbiose starker pers\u00f6nlicheremotionaler Empfindungen und&nbsp;&nbsp; Ergriffenheit f\u00fcr die Natur und den daraus resultierendenk\u00fcnstlerischen Impulsen. Dabei geht es der K\u00fcnstlerin nicht um die Nachahmung der Natur,sondern um das&nbsp; Aufsp\u00fcren von Analogien zu sich selbst und zu den Wechselbestimmungen aller Dinge. Jegliche k\u00fcnstlerische Gestalt erw\u00e4chst bei der K\u00fcnstlerin aus der &#8222;cosa mentale&#8220;. Der Begriff \u201ecosa mentale&#8220; wurde erstmals von Leonardo da Vinci in Bezug auf die Malerei gepr\u00e4gt. Der franz\u00f6sische Philosoph Henri Bergson (1859 \u2014 1941) deutete die gesamte Erscheinungswelt aus der metaphysischen Einheit des Lebens und entwarf auf dieser Grundlage eine neu intuitive Erkenntnistheorie. Er beschreibt die Idee, dass das wahreWesen der Kunst in der &#8222;geistigen Sache&#8220; liegt, die K\u00fcnstler durch ihr Werk ausdr\u00fccken wollen. In der Kunsttheorie bezieht sich &#8222;cosa mentale&#8220; auf ein immaterielles Konzept oder eine Idee, die hinter einem Kunstwerk steht, im Gegensatz zur rein physischen Form des Werks&nbsp; selbst. Bedeutend ist, wie die Vorstellungskraft der K\u00fcnstler und ihre geistigen Prozesse, die w\u00e4hrend des kreativen Schaffens stattfinden, das Werk beeinflussen und formen.<\/p>\n<p>In diesem Sinne beginnt Evelin Schertle den Schaffensprozess der Handzeichnungen des Zyklus \u201eSamen&#8220; mit Staubk\u00f6rnern in Form von Kohlestaub. Bereits Paul Klee verglich Samen mit einem Punkt, der zur Linie w\u00e4chst und sich zur Fl\u00e4che und zur Form weiterentwickelt -Punkte, die sich zur Linie formen. So ist der Auftakt, Kohlestaub willk\u00fcrlich auf das Zeichenblatt zu verteilen, f\u00fcr den weiteren kreativen Weg unabdingbar. Nach der Fixierung des Kohlestaubes erwachsen Linien intuitiv aus den vorgegebenen Spuren und formen sich zu Gebilden, Fl\u00e4chen und R\u00e4umen. Direkt und unmittelbar wird das innere Erleben authentisch in eine bildnerische Form \u00fcbertragen. Die F\u00fclle der \u201ecosa mentale&#8220; f\u00fchrt schlie\u00dflich zur Komposition. Die Zeichnungen entwickeln sich ohne vorherbestimmtes Konzept, eher als unbewusste Niederschrift, vielleicht vergleichbar mit der gcriture automatique der Surrealisten. Als Mittel zur Befreiung kreativer M\u00f6glichkeiten lie\u00dfen sie ihren Geist frei und ihre Hand intuitiv \u00fcber das Papier gleiten und erhofften sich einen direkten Einblick in ihre tiefsten Gedanken und Emotionen. In diesem Sinne offenbart Evelin Schertles k\u00fcnstlerischer Schaffensprozess Bewusstseinsreflexionen, subjektive Brechungen ihres Erlebens in der Natur in Verbindung mit existentiellen Themen und Prinzipien des Lebens.<\/p>\n<p>Ihr Kosmos an Formfindungen ist vielgesichtig und unersch\u00f6pflich. Die organische Kraft der Natur liegt auch dem Sch\u00f6pfertum der K\u00fcnstlerin zugrunde. Deshalb bedarf es keiner vorbestimmten&nbsp; Komposition, sondern Stimmungslagen, entstanden in der Wirklichkeit, gefiltert durch Imagination. Ihre Formensprachen finden Entsprechungen in Visionen und Gef\u00fchlen, sind visualisierte Physiogramme. Aus diesen Gr\u00fcnden bleibt die Gestalt immer bei sich selbst und so gen\u00fcgt die Form auch sich selbst, um im Gesamten f\u00fcr sich zu sprechen, sei es in der Werkreihe Sounds, den Handzeichnungen oder den acht Skulpturen, die zu ausgew\u00e4hlten&nbsp; Zeichnungen der&nbsp; Werkgruppe \u201eSamen&#8220;&nbsp; entstanden sind.<\/p>\n<p>Der Zyklus der Zeichnungen \u201eSamen&#8220; umfasst ungef\u00e4hr 50 Bl\u00e4tter in der Gr\u00f6\u00dfe 21 x 18 cm, in Kohle, Kohlestaub und Bleistift ausgef\u00fchrt. F\u00fcr die K\u00fcnstlerin hat der Samen eine besondere&nbsp; Bedeutung: \u201eDer Samen&nbsp; kann alles sein, der Samen, aus dem das Korn entsteht, den meine ich aber nicht direkt. Aus dem Samen geht alles hervor, jegliche Sch\u00f6pfung. Er zentriert das Potential. Auch ein Gedanke kann dieser Samen sein, und wenn er weiterentwickelt und gesponnen wird, entsteht irgendwann Materie. Das hat mich inspiriert.<\/p>\n<p>Die mannigfaltigen Arten der Sch\u00f6pfung, die man t\u00e4glich im Universum, in der Welt sehen kann, finde ich absolut faszinierend. Es ist ein st\u00e4ndiges Werden &#8211; Sein &#8211; Vergehen. Dar\u00fcber nachzudenken&nbsp; ist sehr inspirierend.&#8220; Bei der Betrachtung der Zeichnungen \u201eSamen&#8220; stellt sich zun\u00e4chst Verunsicherung ein, da spontane Analogien zu gewohnten&nbsp; Vorstellungs-, Seh- und&nbsp;&nbsp; Wahrnehmungsgewohnheiten nur bedingt gelingen. Es braucht ein bisschen Zeit, sich mit dem Kosmos der K\u00fcnstlerin vertraut zu machen. Der Titel des Zyklus gibt Orientierungspunkte und nach und nach evozieren Spuren, Fl\u00e4chen und Linien innere Bilder im freien Spiel der Assoziationen. Abstrakte Strichsetzungen in biomorphen Formen muten k\u00f6rperhaft an. Geschlossenheit und Offenheit, Ruhe und Dynamik,&nbsp; Bewegung und Gegenbewegung,&nbsp;&nbsp; Verdichtung und Aufl\u00f6sung bestimmen&nbsp;&nbsp; Rhythmen und Tempi,&nbsp; lenken das Sehen. Freie Strukturen in vager Gestalthaftigkeit schaffen in \u00dcberlagerungen R\u00e4ume. Spuren des Kohlestaubes kreieren Hell- Dunkelkontraste und schaffen Verortung zum Bildgrund. Verflechtungen und Ver\u00e4stelungen wachsen&nbsp; nach innen oder weisen \u00fcber den Bildgrund hinaus. R\u00e4umliche Bez\u00fcge werden jedoch&nbsp; immer wieder in Frage gestellt, l\u00f6sen sich durch g\u00e4nzlich geschlossene Gef\u00fcge oder differenzierte Grauabstufungen auf. Nuancen und subtile Details erfassen Strukturen der Natur auf eindringliche Weise. Das kleine Format verst\u00e4rkt die expressive Energie, die nach au\u00dfen dr\u00e4ngt, und so erscheint es konsequent, nachvollziehbar und unabdingbar, dass aus dieser Werkreihe Skulpturen entstanden sind.<\/p>\n<p>In der Kunst symbolisiert der Samen den Beginn eines neuen Zyklus, einer Entwicklung auf pers\u00f6nlicher, kultureller oder spiritueller Ebene. Er kann als Metapher f\u00fcr ungeahnte M\u00f6glichkeiten und&nbsp; verborgene Talente dienen, die darauf warten, entdeckt und entwickelt zu werden. Der Samen steht auch f\u00fcr einen Neuanfang oder einen frischen Start, ist also Symbol&nbsp; f\u00fcr die M\u00f6glichkeiten von Ver\u00e4nderung, Transformation und Erneuerung. Diesen Impuls&nbsp; nimmt Evelin Schertle wahr. <\/p>\n<p>Wege&nbsp; zu Grenz\u00fcberschreitungen der Gattungen und schlie\u00dflich der Entschluss, die Zeichnung als Skulptur in den Realraum treten zu lassen, deuteten sich bei der K\u00fcnstlerin bereits in den Arbeiten upwind I, II an. Aus dem h\u00f6lzernen Bildgrund ragen, noch mit ihm verbunden,&nbsp; Formen in den Raum. Diese verst\u00e4rken den Ausdruck der zersplitterten, rauen Oberfl\u00e4che der Materialbilder.<\/p>\n<p>Mit der Arbeit \u201edie 4 Elemente&#8220; f\u00fchrt der Weg endg\u00fcltig in die Dreidimensionalit\u00e4t. Auf glatten Seiten der Quader erscheinen lineare Auspr\u00e4gungen reliefartig auf den Oberfl\u00e4chen. Der Bezug zur zweidimensionalen Oberfl\u00e4che von Papier oder h\u00f6lzernem Bildgrund besteht jedoch durch das geometrisch rechteckige Format. Die skulpturalen Formfindungen scheinen noch nicht abgeschlossen. Die Reihung der vier Einzelskulpturen in unterschiedlich farbigen Fassungen, entsprechend der Symbolik der vier Elemente, transportieren Nachdr\u00fccklichkeit. Die vegetabilen, k\u00f6rperhaft in Bewegung anmutenden Formen laden f\u00f6rmlich in ihrer Gerichtetheit zur Losl\u00f6sung von der Fl\u00e4che und zur Bewegung oder Gegenbewegung in den Raum ein.<\/p>\n<p>Die Gruppe der acht aktuellen Skulpturen Evelin Scherteles sind unmittelbar aus acht Arbeiten der Handzeichnungen&nbsp; \u201eSamen&#8220; entstanden.&nbsp; Man kann sie als in Raum getretene Zeichnungen verstehen. Die Werkgruppe bildet eine abgeschlossene Einheit. Ausl\u00f6ser war das Bed\u00fcrfnis Evelin Schertles, \u201edie in den Kohlezeichnungen ausgelebte Sinnhaftigkeit der abstrakten Linien in ihrer vagen Gestalthaftigkeit in eine Gattung zu transformieren, in welcher sich form- und raumbildende Eigenschaften und Imagination anschaulich zeigen, f\u00fchl- und sp\u00fcrbar sind. Der Samen bezieht sich auf das komplette Thema. Die Skulpturen haben keine eigenen Namen&nbsp; mehr. Es sind Abbildungen der Zeichnungen, die ich ausgew\u00e4hlt habe, um sie haptisch darzustellen. Ich wollte sie lebendig machen, ich wollte zwischen ihnen stehen und sie f\u00fchlen.&#8220;<\/p>\n<p>Den Skulpturen liegen die Zeichnungen \u201eSamen XLI, XVI, XVII, XVIII, XXV, XXXIV&#8220; sowie \u201eEpilog Samen VI und XVI&#8220; zugrunde. Die Auswahl vollzog die K\u00fcnstlerin bewusst. F\u00fcr die K\u00fcnstlerin werden die Skulpturen \u201evon der Idee durchdrungen, unbestimmte Wesen im Werden&nbsp; darzustellen, die aus meinem Geist geboren wurden&#8220;. Jede steht individuell f\u00fcr sich. Ihre Ausgestaltungen k\u00f6nnen als Metaphern f\u00fcr unterschiedliche Lebenszyklen der belebten Natur verstanden werden.<\/p>\n<p>Mit der Skulpturenh\u00f6he von 80 \u2014 100 cm ergibt sich f\u00fcr den Betrachter ein Gegen\u00fcber. Vom Papiergrund emanzipiert haben sie den Raum erobert. Grobspanplatten bilden den Holzkern der Skulpturen. Das Holzger\u00fcst vollzieht die Form der linearen Struktur in Bezugnahme auf die entsprechende Zeichnung detailliert nach. Eine Zuordnung von Zeichnung und Skulptur ist also eindeutig. In einem n\u00e4chsten Schritt erfolgen differenzierte Oberfl\u00e4chenbehandlungen mit Rauputz. Das&nbsp; Holzger\u00fcst der Skulpturen ist mit diesem Material \u00fcberzogen, teilweise ausgef\u00fcllt oder g\u00e4nzlich bedeckt. Arbeitsspuren des Putzauftrages sind zu sehen, die im Kontrast zur glatten Schnittfl\u00e4che des Holztr\u00e4ger stehen, den Holzspanstrukturen beleben. Der \u201eSamen&#8220; wurde in den Zeichnungen gelegt und so f\u00fchren konsequenterweise Kohle, Bleistift und Kohlestaub, aufgetragen auf Rauputz, zu einer \u00e4hnlichen Tonigkeit und einer an die Zeichnung angelehnten Oberfl\u00e4chenauspr\u00e4gung. Die Skulpturen kennzeichnen keine volumin\u00f6sen Formen. Sie bleiben trotz ihrer Dreidimensionalit\u00e4t fl\u00e4chig, ihrem Ursprung &#8211; der Zeichnung &#8211; in vielerlei Hinsicht verbunden.<\/p>\n<p>Bei der Betrachtung&nbsp; der&nbsp; Skulpturengruppe ergibt sich eine Reihenfolge, die dem Gedanken des Wachsens&nbsp; und&nbsp;&nbsp; Werdens folgt. In einem fr\u00fchen Stadium pr\u00e4sentiert sich Skulptur \u201eXLI&#8220;,vergleichbar&nbsp; mit der Embryogenese. Sie zeigt sich in ausschlie\u00dflich gestaltbildendenStrukturen, noch in sich geschlossen und ruhend. Alle Linien weisen in ihrer Gerichtetheit nach innen. Erste Binnenfl\u00e4chen&nbsp; schlie\u00dfen sich in \u201eEpilog VI&#8220;. Das Wachstum nach au\u00dfen hat begonnen.&nbsp;&nbsp; Bei genauer Betrachtung beider Materialien &#8211; Holz und Putz erw\u00e4chst&nbsp; ein&nbsp; Wesen im&nbsp; Wesen.&nbsp; Beide scheinen gleichberechtigt ineinander zu existieren. Skulptur \u201eXVI&#8220; richtet sich weiter in der Vertikalen auf. Nun l\u00f6st sich Evelin Schertle von der Zeichnung und f\u00fchrt diese in der Skulptur welter aus, indem sie freie, wenig konkrete, aber in ihrer Energie nach au\u00dfen&nbsp; weisende&nbsp; Staubspuren&nbsp; zu greifbaren Formen in der&nbsp; Skulptur werden l\u00e4sst. Im n\u00e4chsten&nbsp; Stadium zeigt sich die Skulptur &#8222;XVIII&#8220; komplett in vollzogener Metamorphose, denn&nbsp; der Holzkern ist in G\u00e4nze \u00fcberzogen. Die Gestalt ruht in sich. Auf ihrer Oberfl\u00e4che zeichnen sich keine konturierten linearen Zeichnungen ab.&nbsp; Auch die Tonigkeit ist wenig divergent.<\/p>\n<p>Der Zyklus&nbsp; ist jedoch noch nicht vollendet. Die Skulptur zu \u201eEpilog XVI&#8220; erh\u00e4lt eine erste Addition, die die kontrastreiche Oberfl\u00e4che mit tiefschwarzen Kohlestaubflecken unterstreicht und aufnimmt. Liniensetzungen auf dem Rauputz tragen die Zeichnung erneut in den&nbsp; Raum. Auch die Addition der Skulptur \u201eXXV&#8220;&nbsp; ist keine Dekoration, sondern verst\u00e4rktes&nbsp; Ausdrucksmittel, mit Bedacht&nbsp; gew\u00e4hlt: Eine Schnur&nbsp; als Materie&nbsp; gewordene Linie mit gl\u00e4nzenden&nbsp; Messingenden.&nbsp; Diese Figur ist die Ouvert\u00fcre f\u00fcr zwei weitere Bildwerke in einem sogenannten&nbsp;&nbsp; \u201esp\u00e4ten Zustand&#8220;,&nbsp; den die K\u00fcnstlerin als \u201efast erleuchtet&#8220; charakterisiert. So zeigen sich bei den Skulpturen zu \u201eEpilog XVI&#8220; und \u201eXXV&#8220; hochgl\u00e4nzende&nbsp; Messingteile, die Verbindung&nbsp; zum&nbsp; Kosmos&nbsp; versinnbildlichen sollen.<\/p>\n<p>Jede Skulptur steht f\u00fcr sich. Einige wirken archaisch, in der Form reduziert, andere sind filigran, fast ornamental in ihrem Charakter. Ihre Zusammenschau vermittelt Einblicke in einen vielschichtigen Kosmos der Formfindungen und ihrer Metamorphosen. Trotz ihrer Verankerung&nbsp;&nbsp; auf einem Sockel zeigen alle eine spannungsgeladene Dynamik und Bewegtheit, die&nbsp; sich, losgel\u00f6st von der Begrenztheit des zweidimensionalen Papieres, ihren Weg in den Raum sucht.<\/p>\n<p>Betrachtet&nbsp; man&nbsp; das Gesamtwerkt Evelin&nbsp; Schertles, zeigen die Skulpturen einen Weg hin zum gerichteten Gestaltungswillen.&nbsp; Entstanden die Zeichnungen&nbsp; noch intuitiv, zeigt der Entschluss&nbsp; der skulpturalen Umsetzung der Zeichnungen einen bewussten Weg. Beide Sujets stehen&nbsp; eigenst\u00e4ndig f\u00fcr sich und bedingen sich doch untrennbar. Das r\u00e4tselhafte Gesicht der Natur hat eine fass- und f\u00fchlbare Gestalt erhalten und bleibt dennoch Spiegel der eigenen Innenwelt der K\u00fcnstlerin. Die Skulpturen zeigen auch, dass Metamorphosen als ein grundlegendes&nbsp; Prinzip des Wandels in allen&nbsp; Aspekten des Lebens und der Natur vorhanden sind und oft eine Quelle der Inspiration und Reflexion darstellen.<strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jutta Meyer zu Riemsloh<br><\/strong>Kunsthistorikerin\/ Kuratorin\/ Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin,<br>Kunstverein M\u00fcnsterland e.V<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jutta Meyer zu Riemsloh<br>Coming &#8211; Being &#8211; Passing<br>About the sculptures after drawings from the &#8222;Seeds&#8220; cycl<\/p>\n<p>Evelin Schertle&#8217;s oeuvre reveals an indissoluble symbiosis of strong personal emotional feelings and emotion for nature and the resulting artistic impulses. The artist is not interested in imitating nature, but in seeking out analogies to herself and to the reciprocal nature of all things. For the artist, every artistic form arises from the &#8222;cosa mentale&#8220;. The term &#8222;cosa&nbsp; mentale&#8220; was first coined by Leonardo da Vinci in relation to painting. The French philosopher Henri Bergson (1859 &#8211; 1941) interpreted the entire world of appearances from the metaphysical unity of life and developed a new intuitive theory of knowledge on this basis. He described the idea that the true essence of art lies in the &#8222;spiritual matter&#8220; that artists want to express through their work. In art theory, &#8222;cosa mentale&#8220; refers to an immaterial concept or idea behind a work of art, as opposed to the purely physical form of the work itself. What is important is how the artist&#8217;s imagination and mental processes that take place during the creative process influence and shape the work.<\/p>\n<p>In this sense, Evelin Schertle begins the creative process of the hand drawings in the &#8222;Seeds&#8220; cycle with grains of dust in the form of coal dust. Paul Klee already compared seeds to a dot that grows into a line and develops into a surface and form &#8211; dots that mould into a line. The initial step of randomly spreading charcoal dust on the drawing sheet is therefore essential for the creative process. After fixing the charcoal dust, lines emerge intuitively from the given traces and form themselves into shapes, surfaces and spaces. Directly and immediately, the inner experience is authentically transferred into a pictorial form. The fullness of the &#8222;cosa mentale&#8220; ultimately leads to the composition. The drawings develop&nbsp; without a predetermined&nbsp; concept,&nbsp; rather as an unconscious transcription, perhaps comparable to the gcriture automatique of the Surrealists. As a means of liberating creative possibilities, they let their minds run free and their hands glide intuitively over the paper, hoping for a direct insight into their deepest thoughts and emotions. In this sense, Evelin Schertle&#8217;s artistic creative process reveals reflections of consciousness, subjective refractions of her experiences in nature in connection with existential themes and principles of life.<\/p>\n<p>Her&nbsp; cosmos of formal inventions is multifaceted and inexhaustible. The organic power of nature also underlies the artist&#8217;s creativity. Therefore, there is no need for a predetermined composition, but rather moods&nbsp; created in reality, filtered through imagination. Her formal languages find&nbsp; correspondences in visions and feelings, are visualised physiograms. For these reasons, the form always remains&nbsp; with itself and so the form is also sufficient in itself to speak for itself as a whole, be it in the Sounds series of works, the hand drawings or the eight sculptures that were created for selected drawings in the &#8222;Samen&#8220; group of works.<\/p>\n<p>The &#8222;Seeds&#8220; cycle of drawings comprises around&nbsp; 50 sheets measuring 21 x 18 cm, executed in charcoal, charcoal dust and pencil. For the artist, the seed has a special meaning: &#8222;The seed can be anything, the seed from which the grain emerges, but I don&#8217;t mean that directly. Everything emerges&nbsp; from the seed, all creation. It centres the potential. A thought can also be this seed, and if it is further developed and spun, matter will emerge at some point. That inspired me. I find the diverse types of creation that you can see every day in the universe, in the world, absolutely fascinating. It is a constant becoming &#8211; being &#8211; passing away. Thinking about it is very inspiring.&#8220;<\/p>\n<p>When&nbsp;&nbsp; looking at the &#8222;Samen&#8220;&nbsp; drawings, uncertainty sets in at first, as spontaneous analogies to familiar ways of imagining, seeing and perceiving only succeed to a limited extent. It takes a&nbsp; little time to familiarise oneself with the artist&#8217;s cosmos. The title of the cycle provides points of orientation and gradually traces, surfaces and lines evoke inner images in a free play of associations. Abstract strokes in biomorphic forms appear corporeal. Closedness and openness,&nbsp; calm and dynamism,&nbsp; movement&nbsp;&nbsp; and&nbsp; counter-movement, compression and dissolution determine&nbsp; rhythms and tempos, directing&nbsp; our vision. Free structures in vague<\/p>\n<p>shapes create spaces in superimpositions. Traces of charcoal dust create contrasts of light \u2022and dark and create localisation to the picture ground. Entanglements and ramifications grow&nbsp; inwards&nbsp; or point beyond the picture ground. However, spatial references are repeatedly called into question, dissolving into completely closed structures or differentiated shades of<\/p>\n<p>grey. Nuances&nbsp; and subtle details capture the structures of nature in a haunting way. The small&nbsp; format reinforces the expressive energy that pushes outwards, and so it seems consistent, comprehensible&nbsp; and inevitable that sculptures have emerged from&nbsp; this series of works.<\/p>\n<p>In art, the seed symbolises the beginning of a new cycle, a development on a personal, cultural or spiritual level. It can serve as a metaphor for unexpected possibilities and hidden talents that are waiting to be discovered and developed. The seed also stands for a new beginning&nbsp; or a fresh start, symbolising the possibilities of change, transformation and renewal. Evelin Schertle recognises this impulse.<\/p>\n<p>Ways&nbsp; of crossing genre boundaries and finally the decision to allow the drawing to enter real space as a sculpture were already apparent in the artist&#8217;s works upwind I, II. Shapes protrude into the space from the&nbsp; wooden background, still connected to it. These reinforce the expression of the&nbsp; fragmented, rough surface of the material images. With the work&nbsp;&nbsp; &#8222;The 4 Elements&#8220;, the path finally leads into three-dimensionality. On the smooth&nbsp;&nbsp; sides of the cuboids, linear shapes appear in relief on the surfaces. However, the reference&nbsp; to the two-dimensional surface of paper or a wooden picture ground&nbsp; exists through&nbsp; the geometrically rectangular format. The sculptural formal inventions do not appear&nbsp; to have been finalised. The arrangement&nbsp; of the four individual sculptures in differently coloured frames, corresponding to the symbolism of the four elements, conveys an emphatic&nbsp; impression. In their directionality, the vegetal forms, which appear to be in<\/p>\n<p>physical motion, formally invite the viewer to detach themselves from the surface and to move&nbsp; or counter-move into the space. The&nbsp; group of eight current sculptures by Evelin Scherteles emerged directly from eight works of the hand drawings &#8222;Samen&#8220;.&nbsp; They&nbsp; can be understood as drawings that have&nbsp; stepped into space. The group of works forms a&nbsp; self-contained unit. It was triggered by Evelin Schertle&#8217;s need &#8222;to transform&nbsp; the meaningfulness of the&nbsp; abstract lines in their vague gestalt in the charcoal drawings&nbsp; into a genre in which form- and space-forming qualities and imagination are vividly revealed, tangible and perceptible. The seed refers to the entire theme. The sculptures no longer have their own names. They are images of the drawings that I have chosen to represent them haptically. I wanted to bring them to life, I wanted to stand between them&nbsp; and feel them.&#8220; The sculptures are based on the drawings &#8222;Samen XLI, XVI, XVII, XVIII, XXV, XXXIV&#8220; and &#8222;Epilog Samen VI and XVI&#8220;. The artist made this selection consciously. For the artist, the sculptures are &#8222;imbued with the idea of depicting indeterminate beings in the process of becoming, born from my&nbsp; spirit&#8220;. Each stands individually for itself. Their designs can be understood&nbsp; as metaphors for different life cycles of living nature.<\/p>\n<p>The sculpture height of 80 &#8211; 100 cm creates a counterpart for the viewer. Emancipated from the paper base, they have conquered the&nbsp; space. Rough chipboard forms the&nbsp; wooden core of the sculptures. The wooden framework&nbsp;&nbsp;&nbsp; reproduces the form of the linear structure in detail with reference to the corresponding drawing. The assignment&nbsp; of drawing and sculpture is therefore clear. The next step involves differentiated surface treatments with rough plaster. The wooden&nbsp; framework&nbsp; of the&nbsp; sculptures is coated, partially filled or completely covered with this material. Traces of the plaster application can be seen, contrasting with the smooth cut surface of the wooden support, which is enlivened by wood chip structures. The &#8222;seed&#8220; was planted in the drawings, and so charcoal, pencil and charcoal dust, applied to rough plaster, consistently lead to a similar tonality and a surface character based on the drawing. The sculptures are not characterised by voluminous forms. Despite their three-dimensionality, they remain two-dimensional and in&nbsp; many respects connected to their origin &#8211; the drawing.<\/p>\n<p>When&nbsp; looking at the group of sculptures, a sequence emerges that follows the idea ofgrowing and becoming.&nbsp; Sculpture &#8222;XLI&#8220; presents itself at an early stage, comparable to embryogenesis. It shows itself in exclusively formative structures, still self-contained and at rest. All lines point inwards in their directionality. The first inner surfaces close in &#8222;Epilogue VI&#8220;. The outward growth has&nbsp; begun. A closer look at both materials &#8211; wood and plaster &#8211; reveals an essence within an essence. Both seem to exist in each other on an equal footing. Sculpture &#8222;XVI&#8220; continues to rise vertically. Evelin Schertle now detaches herself from the drawing and develops it further in the sculpture by allowing free traces of dust, which are not very concrete but whose&nbsp; energy points outwards, to become tangible forms in the sculpture. In the next stage, the sculpture &#8222;XVIII&#8220; is completely metamorphosed, as the wooden core is completely&nbsp; covered. The figure rests in itself. There are no contoured linear drawings on its surface. The tonality is also not very divergent. However,&nbsp; the cycle is not yet complete. The sculpture for &#8222;Epilogue XVI&#8220; receives a first addition that emphasises and absorbs the high-contrast surface with deep black charcoal dust stains. Lines on the roughcast carry the drawing back into the room. The addition of the sculpture &#8222;XXV&#8220; is not a decoration either, but a carefully chosen, intensified means of expression: a string as a line that has become matter with shiny brass ends. This figure is the overture for two further sculptures in a so-called &#8222;late state&#8220;, which the artist characterises as &#8222;almost illuminated&#8220;. The sculptures for &#8222;Epilogue XVI&#8220; and &#8222;XXV&#8220;, for example, feature highly polished brass parts that symbolise a connection to the cosmos.<\/p>\n<p>Each sculpture stands on its own. Some appear archaic, reduced in form, others are filigree, almost ornamental in character. Viewed together, they provide insights into a multi-layered cosmos of formal inventions and their&nbsp;&nbsp; metamorphoses. Despite being anchored on a plinth, they all display an exciting dynamism and movement&nbsp; which,&nbsp; detached from the limitations of the two-dimensional paper, seeks&nbsp; its way into the space.<\/p>\n<p>Looking at Evelin Schertle&#8217;s oeuvre as a whole, the sculptures show a path towards a directed creative will. While the drawings were created intuitively, the decision to realise the drawings sculpturally shows a conscious path. Both subjects stand on their own and yet are inseparable. The enigmatic face of nature has been given a tangible and palpable form and yet remains a mirror of the artist&#8217;s own inner world. The sculptures also show that metamorphoses,&nbsp;&nbsp; as a fundamental principle of change, are present in all aspects of life and nature and are often a source of inspiration and reflection.<\/p>\n<p><strong>Jutta Meyer zu Riemsloh <br><\/strong>Art historian\/ curator\/ managing director,<br>Kunstverein M\u00fcnsterland e.V.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lydia Eder_Evelyn Schertle_Reflex des Pfauenauges&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 9.594 Zeichen (mit Leerzeichen) Jutta Meyer zu RiemslohWerden &#8211; Sein &#8211; VergehenZu den Skulpturen nach Zeichnungen des Zyklus&nbsp; \u201eSamen&#8220; Das CEuvre Evelin Schertles offenbart eine unaufl\u00f6sliche Symbiose starker pers\u00f6nlicheremotionaler Empfindungen und&nbsp;&nbsp; Ergriffenheit f\u00fcr die Natur und den daraus resultierendenk\u00fcnstlerischen Impulsen. Dabei geht es der K\u00fcnstlerin nicht um die Nachahmung der&hellip;&nbsp;<a href=\"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/texte-3\/\" class=\"\" rel=\"bookmark\">Weiterlesen &raquo;<span class=\"screen-reader-text\">Texte 3<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"neve_meta_sidebar":"full-width","neve_meta_container":"","neve_meta_enable_content_width":"on","neve_meta_content_width":59,"neve_meta_title_alignment":"right","neve_meta_author_avatar":"","neve_post_elements_order":"","neve_meta_disable_header":"off","neve_meta_disable_footer":"","neve_meta_disable_title":"on","ngg_post_thumbnail":0},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/619"}],"collection":[{"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=619"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/619\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":622,"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/619\/revisions\/622"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/evelinschertle.de\/zeichnungen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=619"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}